Gestalten, ohne das Bestehende auszulöschen
Im Sommer 2011 beherbergte der Innenhof des MoMA PS1 Holding Pattern, den Siegerentwurf des Young Architects Program (YAP), entworfen vom Brooklyner Büro Interboro Partners. Statt den Hof zu verändern, betonte das Projekt dessen bereits vorhandene siebeneckige Polygonform. Der Entwurf knüpfte an das an, was der Ort bot: seine Geometrie, seine Betonflächen und die Möglichkeit, verschiedene Aktivitäten in einem gemeinsamen Raum zusammenzubringen.
Diese Entscheidung verändert die Rolle temporärer Architektur. Statt den Innenhof als neutrale Fläche zu behandeln, die umgestaltet werden musste, verstand Holding Pattern ihn als eine Struktur, die das Erleben bereits lenken konnte. Das Dach aus Seilen und Segeln machte die vorhandene Form stärker wahrnehmbar; der Raum wurde von oben definiert, ohne ein Stützensystem auf Bodenniveau, das den Innenhof visuell beeinträchtigt hätte.
Ein Dach, das den Raum zeichnet
Das Dach spendete Schatten und warf zugleich wechselnde geometrische Schatten auf die inneren und äußeren Betonwände. Sein Geflecht, das mit einem Saiteninstrument verglichen wurde, machte die Bewegung des Lichts sichtbar und trug die Präsenz des Projekts bis auf die Straße: Die Schatten an den Außenwänden kündigten die Installation den Passantinnen und Passanten an.
Die Grenze zwischen Innenhof und Stadt entstand somit nicht allein durch eine gebaute Form. Sie wurde auch durch Lichteffekte geprägt, die sich mit dem Sonnenstand veränderten. Das Dach war Klimainfrastruktur – es spendete Schatten – und zugleich eine temporäre Fläche, durch die sich der Innenhof anders wahrnehmen ließ. Diese Lesart erfordert keine Annahmen über nicht dokumentierte Eigenschaften: Maße, detaillierte Materialangaben und der Umfang des gebotenen Schutzes sind hier nicht angegeben.
Im Mittelpunkt: Verweilen und Mitmachen
Bewegliche Bänke und Hocker, flache Wasserbecken und Tischtennisplatten prägten einen wesentlichen Teil des vorgesehenen Erlebnisses. Der Blick richtete sich weniger auf die Konstruktion als auf die Begegnungen zwischen den Besuchenden und auf die Gegenstände, die sich neu anordnen ließen. Statt das Dach zum eigentlichen Ziel zu machen, rückte der Entwurf alltägliche Aktivitäten in den Vordergrund: sitzen, spielen und den Raum miteinander teilen.
Das bewegliche Mobiliar ließ den Innenhof außerdem als weniger starren Ort denken als einen Platz, der auf eine einzige Nutzung ausgerichtet ist. Für diese Möglichkeit muss keine konkrete Anordnung angenommen werden: Die beweglichen Elemente konnten ihre Position ändern, während der Hof und sein Dach dem Ganzen Kontinuität gaben.
Zwei Seitenhöfe, zwei Gestaltungen
Die Intervention setzte nicht in allen angrenzenden Bereichen dieselbe Lösung ein. Der kleinere Seitenhof war mit Spiegeln ausgekleidet; der größere wurde mit einem dichten Stadtwald gefüllt. Der Kontrast schuf unterschiedliche Umgebungen neben dem Haupthof: hier eine reflektierende Fläche, dort eine Ansammlung von Bäumen.
Die vorliegende Beschreibung nennt weder die Anordnung der Spiegel noch die Arten, Anzahl oder Merkmale der Bäume. Daher ist es präziser, diese Entscheidungen als räumliche Strategien – reflektieren und verdichten – zu verstehen, statt ihnen nicht belegte konkrete Wirkungen zuzuschreiben. Zusammen erweiterten die Seitenhöfe die Vielfalt der Situationen, ohne dass das zentrale Dach sie alle lösen musste.
Ein Leben nach der Installation
Der Entwurf umfasste Möbel und Bäume, die dem veröffentlichten Konzept zufolge am Ende des Sommers gespendet werden sollten. Diese spätere Verwendung verbindet das vergängliche Design mit der Wiederverwendung von Gegenständen und Materialien, die für die umliegende Gemeinschaft nützlich sind. Temporäre Architektur bemisst sich nicht allein daran, was während der Ausstellung geschieht: Entscheidend ist auch, ob einige ihrer Bestandteile danach weiter genutzt werden können.
Holding Pattern verbindet somit drei Gestaltungsebenen: die vorhandene Form des Innenhofs, den Schatten und die Lichtmuster des Dachs sowie die Gegenstände, die Aktivitäten ermöglichen und außerhalb der Installation weiterverwendet werden konnten. Das Interesse liegt im Zusammenspiel dieser Ebenen, nicht darin, eine vollständig neue Form aufzuzwingen. Das Ergebnis lässt sich als Intervention lesen, die den Ort sichtbarer macht, soziale Nutzungen aktiviert und die spätere Verwendung bestimmter Elemente berücksichtigt.
Holding Pattern war vom 19. Juni bis zum 19. September 2011 im MoMA PS1 zu sehen und gehörte zur New Yorker Ausgabe des Young Architects Program, einer jährlichen Initiative des MoMA und des MoMA PS1 zur Förderung von Designforschung und aufstrebenden Talenten.
Referenzen
- „YAP 2011 Winner: Holding Pattern by Interboro Partners“ — MoMA
- „Young Architects Program 2011: Holding Pattern by Interboro Partners“ — MoMA
- „New York / Young Architects Program“ — MoMA
Die Übersicht
Geltungsbereich
Redaktionelle Einordnung; keine Besichtigung und keine technische Bewertung.
Quellen
Young Architects Program 2011: Holding Pattern by Interboro Partners | MoMA ↗30/10/2026
New York / Young Architects Program ↗30/10/2026
