Ein Flur, eine Ecke oder eine offene Fläche können auf reine Durchgangsbereiche oder schwer möblierbare Nischen reduziert werden. Der Entwurf von Reset, einem modularen System aus abgestuften Sitzelementen von Stephan Hürlemann, eröffnet eine andere Perspektive: Solche Orte können Struktur erhalten und Möglichkeiten zum Zusammenkommen, für eine Pause, konzentriertes Arbeiten oder eine Präsentation bieten, ohne dadurch zu Räumen mit nur einer Funktion zu werden.

Die Idee ist nicht, dass sich jede Restfläche automatisch in einen nützlichen Ort verwandelt. Entscheidend sind die Bedingungen des jeweiligen Raums und die Tätigkeiten, für die Menschen ihn nutzen möchten. Reset bietet eine konkrete Möglichkeit, dieses Verhältnis auszuloten: Die Elemente lassen sich zusammenfügen, neu anordnen, auseinandernehmen und wieder aufbauen. Die Konfiguration muss also nicht ein für alle Mal feststehen.

Struktur geben, ohne die Nutzung festzulegen

Die Konstruktion lässt sich als abgestufte Sitzlandschaft, Plattform, Bühne, Sofa oder Ablagefläche anordnen. Diese Vielfalt verlagert einen Teil der Entscheidung vom anfänglichen Entwurf in den Alltag: Eine Installation kann auf ein Treffen oder eine Präsentation zugeschnitten und später verändert werden, wenn es die Aktivität erfordert. Wenn sich eine Anordnung bewährt, kann sie auch bestehen bleiben.

Diese Flexibilität ist besonders für Zwischenräume relevant: Orte, die nicht unbedingt die wichtigsten Arbeitsplätze sind, aber auch nicht bloß Durchgänge sein müssen. In einem Büro, einer Schule oder einem Foyer kann die Möblierung ihnen eine räumliche Identität geben, ohne eine einzige Aktivität vorzuschreiben. Der Unterschied ist wichtig: Struktur zu schaffen bedeutet nicht, das Verhalten festzulegen.

Der Entwurf wirft auch die Frage auf, wer darüber entscheidet, wie ein Raum genutzt wird. Hürlemann beschreibt Reset als ein System, das Menschen selbst umgestalten können. Sein möglicher Wert beschränkt sich in diesem Sinne nicht darauf, zusätzliche Sitzplätze zu schaffen: Es lädt dazu ein, an der Organisation der Umgebung mitzuwirken. Ob daraus eine Aneignung des Raums oder eine dauerhafte Nutzung entsteht, hängt jedoch von den Menschen und dem jeweiligen Kontext ab; die Möblierung allein garantiert das nicht.

Eine Konstruktion, die auf Veränderbarkeit ausgelegt ist

Die Entwicklung begann mit Holzrahmen und Platten, die nebeneinandergelegt oder gestapelt werden konnten. Die Suche nach einer eigenständigeren Form führte zu einer kreuzförmigen Basis, die für Stabilität sorgt und dem Ensemble seinen visuellen Charakter verleiht. Durch diese Geometrie entstehen außerdem kleine dreieckige Nischen, die sich für Bücher, Pflanzen oder andere Gegenstände nutzen lassen.

Das System kombiniert Platten aus OSB, durchgefärbtem MDF und naturbelassener Birke mit Unterkonstruktionselementen aus expandiertem Polypropylen (EPP). Der Designbeschreibung zufolge enthält das EPP 30 % recyceltes Material und ist recycelbar; die Verbindungselemente bestehen zu 100 % aus recyceltem Polyamid und sind ebenfalls recycelbar. Für die Polster wird recycelbarer V-Foam verwendet, dazu ein Bezug aus recyceltem Polyester. Der Bezug hat einen Reißverschluss, sodass er abgenommen und gewaschen werden kann.

Diese Materialien und Merkmale beschreiben die Gestaltungsabsicht und die für das Produkt angegebenen Komponenten. Für sich genommen erlauben sie keine Aussage über die gesamten Umweltauswirkungen einer Installation, ihre tatsächlich erreichte Lebensdauer oder die Bedingungen für eine Verwertung am Ende der Nutzung. Auch die Wiederverwendung setzt voraus, dass die Elemente erhalten bleiben und eine weitere Verwendung finden.

Modularität als Möglichkeit, nicht als Versprechen

Die Möglichkeit, die Elemente auseinanderzunehmen und neu zu kombinieren, kann helfen, eine Anordnung an veränderte Bedürfnisse anzupassen. Sie erlaubt auch, die Bodenfläche freizugeben, wenn der Raum für einen anderen Zweck benötigt wird. Modularität bedeutet aber weder, dass eine Installation für jeden Ort geeignet ist, noch, dass einer Umgestaltung keine Grenzen gesetzt sind: Der dokumentierte Entwurf enthält keine Bewertung einzelner Gebäude, Aktivitäten oder Nutzergruppen.

Die weiterreichende Anregung besteht darin, Räume neu zu betrachten, die oft als überflüssig gelten. Bevor man ihnen eine feste Funktion zuweist, lohnt es sich zu fragen, welche Tätigkeiten dort stattfinden könnten und wie offen der Ort bleiben sollte. Ein Übergangsbereich kann informelle Begegnungen, Pausen oder Momente der Konzentration ermöglichen, wenn er eine verständliche räumliche Struktur und verschiedene Nutzungsmöglichkeiten bietet. Der Eingriff sollte zugleich Spielraum dafür lassen, dass die Menschen vor Ort ihn auf ihre Weise verstehen und verändern.

Reset veranschaulicht eine konkrete Antwort auf diese Frage: ein System, das einem Raum Form gibt, ohne vollständig festzulegen, was dort geschehen soll. Statt jede Nische in ein Ziel zu verwandeln, schlägt es vor, Zwischenräume als aktiven Teil des Alltags zu behandeln.

Referenzen

  • Activating the spaces in-between | Official Vitra® Online Shop ES
  • Reset | Official Vitra® Online Shop US

Die Übersicht

Geltungsbereich

Redaktionelle Einordnung; stellt weder einen Besuch noch eine technische Bewertung dar.

Quellen

Activating the spaces in-between | Official Vitra® Online Shop ES ↗30/10/2026

ID Mesh | Official Vitra® Website UN ↗30/10/2026

Reset | Official Vitra® Online Shop US ↗30/10/2026