Das Zuhause als Experimentierfeld
Vor dem Hintergrund eingeschränkter Mobilität und der Isolation regt der Designer Robert Stadler dazu an, unser Verhältnis zu alltäglichen Dingen neu zu betrachten. In seinem auf der Vitra-Website veröffentlichten Artikel beschreibt er die Zeit zu Hause nicht als bloße Unterbrechung des Lebens, sondern als Gelegenheit, eine aktive und kreative Art des Wohnens wiederzuentdecken. Innenraumgestaltung und Möbel können Neugier und Freude am Experimentieren fördern und das Zuhause zu einem persönlichen Spielfeld machen.
Gegen ästhetische Vereinheitlichung
Im Zentrum von Stadlers Kritik steht die Standardisierung von Innenräumen im digitalen Zeitalter. Seiner Beobachtung nach sind häusliche Räume zu vorhersehbaren Kompositionen geworden, die sich in sozialen Medien wiederholen. Dort lasse sich kaum unterscheiden, ob Möbel Originale oder Nachahmungen seien. Die globale Vereinheitlichung mache Bewohnerinnen und Bewohner zu bloßen Statisten in kuratierten Inszenierungen und erzeuge ein Gefühl der Gleichgültigkeit. Home Active setzt dieser Passivität die Vorstellung entgegen, dass Menschen ihren Dingen neugierig und ohne vorgefasste Vorstellungen begegnen können.
Historische Vorbilder und Beteiligung
Stadler stützt seine Überlegungen auf Beispiele, die starre Vorstellungen von Raum infrage stellen. Er verweist auf Adolf Loos’ Raumplan, nach dem sich der Innenraum an den Nutzenden anpassen sollte, und auf Achille Castiglionis Installation in der Villa Olmo, die Freiheit jenseits festgelegter sozialer Funktionen nahelegte. Auch Enzo Maris Projekt Autoprogettazione gehört dazu: Es lud Menschen ein, ihre eigenen Möbel zu bauen und unterschied sich damit von einer stärker vorschreibenden Vorstellung industriellen Heimwerkens.
Dinge, die zum Entdecken einladen
Nach Stadler kann Gestaltung Menschen aktivieren, wenn ein Objekt seine Funktion nicht sofort preisgibt. Als Beispiele nennt er Friedrich Kieslers Correalistic Rocker und Konstantin Grcics Stool-Tool: Beide fordern dazu heraus, mögliche Verwendungen selbst zu entdecken. Diese funktionale Mehrdeutigkeit kann gewohnte Kategorien von Kunst und Design infrage stellen und zu einer dynamischen Beziehung mit der häuslichen Umgebung anregen.
Gestaltung wieder auf Menschen ausrichten
Abschließend fragt Stadler, weshalb sich zeitgenössisches Design so stark auf einzelne Objekte konzentriert, während Innenraumgestaltung häufig Dekorateuren und Stilredaktionen überlassen wird. Er plädiert dafür, dass Designerinnen und Designer den Raum wieder als Ganzes betrachten und die Menschen sowie ihre Bereitschaft, Unbekanntes anzunehmen, in den Mittelpunkt rücken. So wird das Zuhause nicht zum Schaufenster, sondern zu einem transdisziplinären Experimentierfeld, in dem die Kreativität der Bewohnerinnen und Bewohner eine zentrale Rolle spielt.
Die Übersicht
Geltungsbereich
Redaktionelle Betrachtung; stellt weder einen Besuch noch eine technische Bewertung dar.
Quellen
Home Active | Official Vitra® Online Shop ES ↗ · 18/10/2026